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„Home“ Office im Dienst: Private E-Mail-Nutzung am Arbeitsplatz

E-Mail-Nutzung am Arbeitsplatz

Dürfen Arbeitnehmer am Arbeitsplatz private E-Mails lesen und verschicken? Ist der Chef berechtigt solche Nachrichten zu verfolgen und deren Inhalt zu prüfen? Ist eine Kündigung nach einem Verstoß gegen private Surfbestimmungen im Betrieb möglich?

Jeder Zweite surft privat am Arbeitsplatz

E-Mail-Kommunikation braucht seine Zeit. Das Heraussuchen der richtigen Adresse, die Wahl eines prägnanten Betreffs, die korrekte Anrede und je nach Ziel und Absicht weitere Formalitäten: Alles Dinge, die nicht hastig und unüberlegt erledigt werden wollen. Wer gleich mehrere solcher Nachrichten verschicken muss, kann damit gut und gerne über eine Stunde brauchen. Dumm nur für den Chef, wenn seine Angestellten ihre Arbeitszeit eben genau dafür einteilen – und das Ganze auch noch in privater Angelegenheit tun. Schließlich wird auf diese Weise nicht nur die eigentliche Arbeit nicht ausgeführt, sondern diese persönliche Organisation auch noch bezahlt. Glaubt man verschiedenen Studien, surft im Durchschnitt jeder Zweite während der Arbeitszeit in eigener Sache durch das Netz. Dazu zählen auch die Nutzung sozialer Netzwerke und das Konsumieren diverser Webinhalte.

Surf-Verbote sind zulässig

Um dagegen vorzugehen, drohen Arbeitgeber immer wieder mit Überwachung und Sanktionen. In Zeiten von unzähligen Datenschutzdiskussionen nichts, was man auf die leichte Schulter nehmen sollte. Die Möglichkeiten dazu sind längst vorhanden, wie beispielsweise der Spitzelskandal bei der Deutschen Bahn schon 2009 belegte. Doch wie sieht es juristisch aus? Rein arbeitsrechtlich dürfen Unternehmen definitiv die private Internetnutzung, also auch den persönlichen Mail-Verkehr, im Dienst verbieten. Dazu können Mails nachverfolgt und Seitenaufrufe kontrolliert werden. Die Regelung umfasst allerdings nicht die inhaltliche Prüfung von Mails. Soweit, so gut, könnte man meinen. Der Teufel steckt jedoch im Detail. Ist ein Verbot seitens des Arbeitgebers erfolgt, kann er davon ausgehen, dass dieses auch befolgt wird und damit letztlich doch sämtliche Mails auch inhaltlich einsehen. Kritiker weisen dabei immer wieder darauf hin, dass dennoch nur stichprobenartig geprüft werden sollte und keineswegs flächendeckend. Viele Unternehmen sorgen sich Umfragen zufolge weniger um Arbeit, die nicht erledigt wird, als vielmehr um Sicherheitslücken.

Pflichtverletzungen und die ausgiebige Nutzung entscheiden

Hat man erwiesenermaßen gegen ein bestehendes Verbot verstoßen, darf die Kündigung sogar fristlos erfolgen. In diesem Zusammenhang wichtig: Arbeitnehmer müssen nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts automatisch von einem Verbot ausgehen, wenn die Nutzung im Betrieb nicht ausdrücklich erlaubt ist. Vor dem Gericht werden Arbeitgeber dann Recht bekommen, wenn dem klagenden Arbeitnehmer erhebliche Pflichtverletzungen oder eine besonders ausgiebige Nutzung nachzuweisen ist. Wann genau das der Fall sein soll, bleibt indes schwammig und hängt stark von der Berufsgruppe ab. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, liest sich noch einmal die genauen Bestimmungen in seinem Arbeitsvertrag beziehungsweise die Betriebsvereinbarung durch.

Offene Regelungen fördern das Unternehmen

Mitunter zeigen sich Unternehmen nämlich durchaus offen für derartige Angelegenheiten, solange die eigentliche Arbeit erledigt wird. Dafür sprechen sich ebenfalls diverse Wirtschaftsforscher aus, die in der frei und eigenverantwortlich überlassenen Mediennutzung der Arbeitnehmer ein Mittel zur Kompetenzsteigerung sehen. Angeführt wird außerdem, dass heutzutage die Grenzen zwischen Arbeit und Privatem ohnehin zusehends verschwimmen und Arbeitnehmer gleichermaßen zu Hause Eindrücke und Aufträge aus ihrem Job bearbeiten. Eine weniger strikte Reglementierung schaffe im Übrigen Vertrauen und stärke das Wohlfühlempfinden der Angestellten. Seit 1999 veröffentlicht das amerikanische Center for e-Service Studien, die eine ähnliche Tendenz aufweisen. Demnach sei das Unterbinden der privaten Nutzung des Internets am Arbeitsplatz sogar kontraproduktiv für die Firmen. Gegenwärtig verbietet dennoch knapp die Hälfte der deutschen Unternehmen das Lesen und den Versand von Mails. Ebenfalls weit verbreitet ist das Sperren ganzer Webseiten, um die Nutzung von vornherein auszuschließen. Am häufigsten betrifft das dann Kommunikationsmittel wie soziale Netzwerke (Facebook, Twitter) oder Webmail-Dienste (z.B. gmx.de, web.de).

Fazit:

Wer sein Unternehmen kennt, weiß, wie weit er mit privater Internet-und Email-Nutzung am Arbeitsplatz umzugehen hat.