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Barrierefreie Kommunikation im Internet

Barrierefreies Internet

Sehbehinderte Menschen benutzen das Internet überdurchschnittlich oft, denn das vielschichtige Angebot im Web ermöglicht Personen mit einer Seh- oder Hörbehinderung besonders viel Freiheit und Selbstständigkeit. Verschiedenste elektronische Hilfsmittel unterstützen sie dabei, um alle Informationsangebote und Kommunikationsmöglichkeiten, wie zum Beispiel via E-Mail, auszuschöpfen. Voraussetzung dafür ist die Barrierefreiheit der Webseiten.

Mehr Bewusstsein für Barrierefreiheit

Die genaue Anzahl der Sehbehinderten in Deutschland ist nicht bekannt, da es keine Erhebungen dazu gibt. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) geht jedoch von rund einer Million aus.
Unterschiedliche Grade der Sehschwäche, Sehbehinderung bis hin zur Vollblindheit erschweren den Alltag der Betroffenen. Sie sind auf unterstützende und ausgleichende Maßnahmen angewiesen, die es ihnen ermöglichen genauso am Leben teilzunehmen wie Menschen ohne Behinderung. Aus diesem Grund gibt es seit 2002 das Behindertengleichstellungsgesetz und deren Ergänzung um die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0). Jedoch gilt diese Verordnung nur für Internetauftritte von öffentlichen Behörden der Bundesverwaltung. Private und kommerzielle Webangebote fallen nicht darunter. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) setzt sich für das Thema Barrierefreiheit ein. Er fordert auch von privaten und kommerziellen Webangeboten, eine barrierefreie Nutzbarkeit.

Barrierefreies Internet

Barrierefrei meint in Bezug auf das Internet, dass die Webseiten für alle Internetnutzer und –nutzerinnen zugänglich sein müssen, also gelesen und interpretiert werden können.
In erster Linie betrifft das die Bereiche Zugänglichkeit (Accessibility) und Plattformunabhängigkeit.
Die Webangebote müssen dementsprechend programmiert und aufbereitet werden:

Der Text muss klar strukturiert sein, was einen semantisch richtigen Einsatz der HTML/XHTML-Elemente meint. Das ist wichtig für den einwandfreien Gebrauch der elektronischen Hilfsmittel von Sehbehinderten. Auch für nichtbehinderte User ist dies hinsichtlich der Lesbarkeit von Vorteil – und es lohnt sich für kommerzielle Anbieter: Suchmaschinen wie Google werten semantisch richtige Webseiten auf.

Weiterhin sollten Texte immer in Schriftform und nie als Grafik angelegt sein, da dies nicht von den elektronischen Lesegeräten erkannt wird. Bilder und Grafiken werden besser erkannt und interpretiert, wenn sie mit einem Alternativtext hinterlegt werden.

Seheingeschränkte Menschen benötigen starke Kontraste, klare Schriften und eine Skalierbarkeit der Schrift im Browser, um diese an ihre Sehleistung anpassen zu können.

Textliche Farbhinweise wie „siehe blaues Feld“ sind nicht von jedem Empfänger identifizierbar. Das gilt auch für Farbkombinationen, die mitunter von Personen mit einer Farbfehlsichtigkeit wie Aufbau, einer Rot-Grün-Sehschwäche nicht erkannt werden können.

Eine Navigation, die aus Java-Applets oder Flash-Objekten besteht, ist für Sehbehinderte nachteilig. Ebenso verhält es sich mit blinkenden oder animierten Texten oder ständig aufpoppender Werbung, die sich über den Text legt. Nahezu unüberwindbar sind sogenannte Captcha-Systeme also Bilder von verzerrten Schriftzügen oder Zahlen-Buchstabenkombinationen. Sie schützen Webseiten vor Missbrauch durch Spam-Programme, schließen aber auch Sehbehinderte und ihre elektronischen Hilfsmittel aus.
Mit der bereits erwähnten Plattformunabhängigkeit ist gemeint, dass ein Internetangebot mit verschiedenen Ausgabemedien nutzbar sein muss und unabhängig vom verwendeten Betriebssystem des Anbieters funktioniert. Besonders E-Mails werden zunehmend auf mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablets benutzt. Die fehlende Mobile-Optimierung und auch Nicht-Barrierefreiheit von Smartphones und Apps. ist leider noch nicht behoben.

Elektronische Hilfsmittel für Sehbehinderte

Um die barrierefreien Webseiten individuell zu übersetzten oder zu interpretieren, und die angebotenen Kommunikationsdienste, wie E-Mail oder Social Media, nutzen zu können, werden diverse Hilfsmittel laut §33 SGB V angeboten:

Die zwei wichtigsten Geräte für sehbehinderte Internet-User sind die sogenannte Braillezeile bzw. der Brailledisplay und ein Screenreader.

Eine Braillezeile ist ein Computer-Ausgabegerät, das Zeichen in Blindenpunktschrift darstellt. Üblicherweise werden sie durch Screenreader angesteuert. Die spezielle Software vermittelt die Inhalte der Website. Entweder geschieht das über eine Braillezeile oder über eine Sprachausgabe. Dabei beschränken sich Screenreader nicht nur auf den reinen Text – auch grafische Elemente wie Menüwahl, Symbole, Schlampe Fenster und Symbole werden ausgegeben. Tempo und Art der phonetischen Stimme lassen sich individuell auswählen. Jedoch ist die Braillezeile genauer. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten für die Anschaffung einer Braillezeile. Screenreader-Programme müssen selbst erworben werden.

Insbesondere für das Schreiben von E-Mails oder Chat-Nachrichten sind Spracherkennungssysteme für Sehbehinderte relevant. Die spezielle Software ist durch den Einsatz hochwertiger Mikrophone und entsprechender Wörterbuchdateien zu 99 % genau in der Erkennung von diktierten Texten.

Nicht nur im privaten Bereich sind die technischen Hilfestellungen bedeutsam, auch Schule, Ausbildung, Studium und Beruf sind so ohne Ausgrenzung möglich.

Hilfsmittel für sehschwache Menschen

Für Menschen mit einer Sehschwäche sind Vergrößerungssoftwares bzw. elektronische Lupen sinnvoll. So werden Ausschnitte des Bildschirms vergrößert sowie Farb- und Kontrasteinstellungen optimiert. Ein ähnliches Ziel haben Bildschirmlesegeräte, die mittels einer Kamera umfangreiche Textstücke, zum Beispiel aus einem Buch oder einer Zeitung, aufnehmen und diese vergrößert auf dem Bildschirm wiedergeben. Zum Schreiben von E-Mails können Großschrifttastaturen hilfreich sein