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SMS: Die Erfolgsgeschichte eines Zufallsprodukts

Geschichte der SMS

Die SMS ist mit mittlerweile über 20 Jahren Dienstzeit ein echter Dinosaurier in der Telekommunikation. Dabei war deren Entwicklung in der uns bekannten Form eigentlich gar nicht geplant. Wir beleuchten für Sie die Geschichte des Kurznachrichtendienstes und wagen eine Zukunftsprognose.

Zunächst als reine Störmeldung vom Anbieter gedacht

Die Entstehung der SMS ist eng verknüpft mit der gemeinschaftlichen Etablierung des Mobilfunknetzstandards GSM durch europäische Telekommunikationsgesellschaften. GSM steht für Global System for Mobile Communication und ist bis heute als System für die volldigitale Telefonie und Datenübertragung in etwa 200 Ländern und mehr als dreimal so vielen Mobilfunknetzen bekannt.

Bei der Konzeption des Systems suchte man in den 80er Jahren alsbald einen Weg, um den Nutzern Störungsmeldungen zukommen zu lassen, sollte das noch neue und teilweise instabile Netz keinen Rufaufbau ermöglichen. Diese textbasierten Meldungen nannte man Short Message Service. Als Urvater der SMS gilt Friedhelm Hillebrand, der 1984 als Angestellter der Deutschen Bundespost in Zusammenarbeit mit Bernard Ghillebaert, den Initiativvorschlag entwarf. Ihm ist es auch zu verdanken, dass wir die typische Länge von 160 Zeichen zur Verfügung haben: Seinen Beobachtungen zufolge enthielt quasi jede Postkarte oder Fernschreibernachricht weniger als die besagte Zeichenzahl, weshalb er sich letztlich auf diese festlegte. Schnell stellte man in der Folge fest, dass nicht nur die Kommunikation vom Anbieter zum Nutzer möglich ist, sondern auch ohne großen Aufwand zwischen zwei Handys. Schließlich entfällt die bei der Telefonie notwendige Anrufvermittlung. Im Grunde war der Short Message Service für den privaten Gebrauch ein Zufallsprodukt. Nach mehreren Standardisierungsverfahren verschickte der britische Ingenieur Neil Papworth am 03. Dezember 1992 die weltweit erste SMS („Merry Christmas“) an ein Mobiltelefon. Allerdings nutzte er dafür einen PC, erst spätere Handytypen ab 1994 erlaubten die direkte Kommunikation.

Silvester bricht das Netz zusammen

Da viele Anbieter das Potenzial hinter dem Short Message Service unterschätzten, war der Dienst zu Beginn oftmals kostenlos. Neben der (dank GSM) rasanten Verbreitung von Mobiltelefonen in den 90er Jahren, sorgte dieser Umstand für einen schlagartigen Bedeutungszuwachs. 1999 wurden in Deutschland täglich mehr als zehn Millionen Kurznachrichten verschickt, ein Jahr später bereits 34,2 Millionen. An bestimmten Tagen im Jahr werden traditionell besonders viele Nachrichten versandt, darunter Weihnachten und Silvester, was die Netze zeitweise an den Rand der Belastungsgrenze bringt oder gar ganz zusammenbrechen lässt. Die schier unglaubliche Beliebtheit des Short Message Services macht sich auch im Sprachgebrauch bemerkbar. So rühren viele noch heute bei der Kommunikation im Internet üblichen Smileys und Kürzel vom in der Struktur der SMS verankerten Zwang sich möglichst kurz zu fassen. Das Phänomen, das im Englischen als „txt spk“ (text speak) bezeichnet wird, äußert sich in Formulierungen wie „2 N8“ (für engl. tonight, heute Abend) oder „CU“ (für engl. see you, bis dann). Sogar das Schreiben einer Kurznachricht selbst wurde in den Netzjargon übersetzt: Seit den 90er Jahren wird gesimst, getextet oder man muss jemandem smsen („es-em-es-en“).

Deutsche Nutzer sind 2003 besonders aktiv

Obwohl die SMS nicht lange gratis blieb, tat dies der positiven Entwicklung keinen Abbruch. Bei Preisen zwischen drei und 39 Cent pro Nachricht, konnte man in Deutschland im Schnitt zwar nicht ganz so günstig simsen wie in anderen europäischen Ländern. Dennoch wurden hier im Jahr 2003 mit insgesamt 25,5 Milliarden verschickten Kurzmitteilungen europaweit die aktivsten Nutzer verzeichnet. Für die Anbieter ein lohnendes Geschäft, ist doch der Aufwand beim Versand einer Nachricht deutlich geringer als bei einem Telefongespräch. Zum Vergleich: Die maximal 160 Zeichen pro SMS entsprechen rund einem Tausendstel der Datenmenge einer Minute Telefonverbindung.

Im selben Zeitraum konnten außerdem erstmals sogenannte Premium Rate SMS (PR-SMS) genutzt werden. Dabei handelte es sich gleichzeitig um eine Bestell- und Bezahlmethode für digitale Dienstleistungen, wie beispielsweise Klingeltöne oder Bildschirmlogos. Auch spezielle Nachrichten-Abonnements via SMS, darunter vor allem Fußballergebnisse oder Horoskope, konnten erworben werden. Die Dienste hatten jedoch allgemein den Ruf von Abzocke und entwickelten sich spätestens mit der Verbreitung von Smartphones deutlich zurück.

Internetbasierte Dienste lösen die SMS ab

Im vergangenen Jahr erfuhr die Anzahl der täglich in Deutschland verschickten SMS mit 168 Millionen zwar abermals eine Steigerung im Vergleich zu den Vorjahren. Nichtsdestotrotz scheint die einstige Erfolgsgeschichte ihren Zenit überschritten zu haben. Internetbasierte Instant-Messaging-Dienste wie WhatsApp oder Threema verdrängen den Short Message Service vom Kommunikations-Thron. Hinzu kommen Apps von sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter. Gegen den Nachrichtenversand in Echtzeit und den einfachen Austausch von Bildern und Videos kommt der reine Textdienst nicht an. Auch die Weiterentwicklungen MMS (Multimedia Messaging Service) und EMS (Enhanced Message Service) ändern daran wenig. Die Anbieter haben bereits reagiert und stellen SMS innerhalb eines Tarifs inklusive Internetoption für gewöhnlich als Flat zur Verfügung. Der Kurznachrichtendienst wird zwar sobald nicht aussterben, aber in den kommenden Jahren deutlich an Bedeutung verlieren.