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Digitale Gespräche in Echtzeit: Unbegrenzt plaudern mit Chats

Chats

Wenn ein Treffen im realen Leben nicht möglich sein sollte und auch ein Telefongespräch keine Option ist, kommunizieren Menschen gerne über Chats. Welche Anbieter es aktuell gibt und welche Chatformen man unterscheidet, zeigen wir Ihnen in unserer Analyse.

Auch ohne Internet möglich

Im Gegensatz zu anderen textbasierten Nachrichtenformen wie der SMS oder der E-Mail, werden Informationen in Chats in Echtzeit vermittelt. Dadurch haben Nutzer eher das Gefühl eines flüssigen Gesprächs, statt einer abgehackten schriftlichen Konversation. Für gewöhnlich sind Chats von einer Verbindung mit dem Internet abhängig. Eine Ausnahme bildet beispielsweise die für Android und iPhone erhältliche App Firechat. Diese nutzt die in manchen Geräten und Betriebssystemen wie iOS 7 aktivierte Multipeer Connectivity-Technologie, die auf Peer-to-peer-Verbindungen via WLAN oder auch Bluetooth basiert. Das Besondere: Die Reichweite des Netzwerkes ist abhängig von der Gesamtzahl der verbundenen Geräte und kann damit (zumindest theoretisch) beliebig verstärkt werden.

Instant Messaging auf dem Vormarsch

Internetbasierte Chats lassen sich in drei Kategorien einteilen. Technisch gesehen, sind die sogenannten Webchats am einfachsten konzipiert. Diese sind Teil einer Webseite und benötigen in der Regel keine zusätzliche Software. Der Nutzer bekommt meist eine Übersicht aller geöffneten Chatrooms und der aktiven Nutzer. Anschließend kann er an Gruppengesprächen teilnehmen oder in den Einzel-Chat gehen. Der Nutzer hat üblicherweise kein eigenes festes Profil und ist nur für die Zeit seiner tatsächlichen Sitzung für Gespräche verfügbar.

Aufwändiger ist der in den 80er Jahren entwickelte Internet Relay Chat (IRC). Über eigene, teilweise miteinander vernetzte Chat-Server können Nutzer mit anderen in Kontakt treten. Voraussetzung dafür ist allerdings entweder ein auf dem Nutzer-PC installiertes Programm zur Steuerung des Clients oder eine Browser-Anwendung, die über eine Java-Laufzeitumgebung umgesetzt wird.

Einen bedeutenden Anteil unter den Chats nehmen heutzutage Instant Messaging-Dienste in Anspruch, die sich insbesondere dank der mobilen Nutzung im Aufwind befinden. Bevor Facebook mit seinem eigenen Chat das Kommunikationsverhalten veränderte, war Software wie ICQ, der Yahoo Messenger oder der AOL Instant Messenger (AIM) noch deutlich beliebter. Der notwendige Client verbindet die Anwender unmittelbar über ein Online-Netzwerk oder einen Server miteinander. Übertragen werden die Daten im Push-Verfahren. Beispiele für IM-Dienste sind unter anderem WhatsApp, Threema oder Skype. Mittlerweile sind ebenfalls Audio- und Video-Elemente in Chats möglich.

Internet Relay Chats und Instant Messaging erlauben den Nutzern einen Verfügbarkeitsstatus zu wählen. Die Präsenzinformation wird vom Client an einen Präsenzserver übertragen, der daraufhin dafür sorgt, dass andere Nutzer den Teilnehmer als „verfügbar“, „abwesend“ oder Ähnliches sehen.

Chatsucht und Cyber-Mobbing sind die Schattenseiten

(Web)Chats kennen keine thematischen Grenzen, vielmehr ist jede Nische vertreten. Neben allgemein öffentlichen Chats, findet man im Netz allerdings verstärkt gezielt ausgerichtete Chat-Anbieter für Jugendliche, Singles auf Partnersuche und Erotik. Unabhängig von der Chat-Art ist es üblich, einen Nickname als Pseudonym statt des Klarnamens zu verwenden. Dies ist vor allem dann empfehlenswert, wenn man bewusst mit Fremden kommuniziert. Gefährlich ist das Chatten, wenn es zur Sucht wird. Einsame Menschen oder die, die gerade einen schweren Schicksalsschlag erleiden mussten, neigen dazu, im Netz oft stundenlang Trost zu suchen. Bereits im Jahr 2000 schätzten Psychologen die Zahl der Chat-Süchtigen in Deutschland auf 300.000. Mittlerweile dürfte die Zahl weitaus höher sein.

Im Zusammenhang mit Jugendlichen spielt außerdem Cyber-Mobbing, das Diffamieren und Belästigen von Menschen über elektronische Kommunikationsmittel, eine Rolle, aber auch Erwachsene sind vor der digitalen Bedrängung nicht gefeit. Unangemessene Umgangsformen verhindern soll eigentlich die Chatiquette, ein Kofferwort aus Chat und Etikette. Doch die Anonymität im Netz verleitet immer wieder Nutzer dazu, die mal mehr, mal weniger manifestierten Benimmregeln zu brechen.

Zwar weniger dramatisch, für Verfechter der deutschen Sprache, allerdings nicht weniger bedenklich, ist die Missachtung der Groß- und Kleinschreibung und anderer grammatikalischer Regeln zugunsten schnellerer Kommunikation.

Einen durchaus praktischen Sinn haben Chats, wenn sie als Hilfeleistung zum Einsatz kommen. Solche Live-Support-Systeme bieten zum Beispiel schnell und direkt Unterstützung bei technischen Fragen am PC und können unmittelbar auf die Hinweise des Anwenders reagieren.

In einem Zeitalter, in dem beinahe jeden Tag neue Chatanwendungen für die unterschiedlichsten Zielgruppen auf den Markt gelangen, dürfen wir gespannt sein, in welche Richtung sich zukünftig Chatanwendungen entwickeln.